Presseerklärungen

Food-Spezialisten: Gemeinsam ein virtueller Vollsortimenter auf Top-Niveau (06.02.2008)

FernUniversität leitet ICoTrans-Projekt - Kunden, Lieferanten und Umwelt profitieren

„Alles mit einem Fahrzeug, alles von Spezialisten, alles aus einer Hand - und dabei Kosten senken und die Umwelt schonen": Wie ein einziger Vollsortimenter können mehrere Lieferanten hochwertiger Lebensmittel gemeinsam auftreten, indem sie ihre eigenen Transporte und ihre Aufträge für Spediteure gemeinsam managen. Eine Software, die dies unterstützt, wird in dem Verbundprojekt „ICoTrans - Intelligente kooperative Transportplanung in einer Allianz komplementärer Lieferanten" entwickelt. Die Federführung des Projekts liegt beim Lehrgebiet Wirtschaftsinformatik der FernUniversität in Hagen. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mit dem primären Ziel, das Verkehrsaufkommen zu vermindern, die Auslastung der Fahrzeuge zu verbessern und Synergieeffekte hervor zu rufen.

„Wir sind sehr optimistisch, dieses Ziel zu erreichen, weil sich bei unserem Ansatz die Warensortimente der beteiligten Lebensmittellieferanten ergänzen und ihre Kundenstämme deutliche Überschneidungen aufweisen", erklärt Projektleiter Dr. Giselher Pankratz, Lehrgebiet Wirtschaftsinformatik.

Bei ICoTrans geht es um die Entwicklung eines integrierten Informationssystems zur Unterstützung der operativen und strategischen Distributionsplanung kleiner und mittlerer Zulieferer-Unternehmen, die überregional beim Lieferservice kooperieren. Durch eine intelligente DV-gestützte Koordination und Konsolidierung des gesamten Lieferservice sollen die Transportkapazitäten deutlich besser ausgelastet und die individuellen Transportkosten der einzelnen Partner erheblich gesenkt werden. Gleichzeitig sollen die Marktdurchdringung und die Wettbewerbsposition der Lieferanten verbessert werden. Kern des Lösungsansatzes ist die simultane Planung von Eigentransport und Fremdvergabe, sowohl im Fernverkehr als auch in der regionalen Auslieferung. Ein dezentraler Ansatz auf Basis eines Multi-Agenten-Systems sowie moderne Nachbarschaftssuchverfahren sichern die Autonomie der Beteiligten bei einer durchgehend guten Lösungsqualität. Eine Simulations- und Auswertungskomponente erlaubt dem Entscheider die gezielte Analyse strategischer Transportalternativen nach ihrem Wertsteigerungspotential.

Projektpartner des FernUni-Lehrgebiets Wirtschaftsinformtik (Prof. Dr. Hermann Gehring) sind das FernUni-Lehrgebiet für unternehmensweite Software-Systeme (Prof. Dr. Lars Mönch), die WFS Wurst-Fleischwaren-Service Vertriebsgesellschaft mbH, Mörfelden-Walldorf, die GTS Systems and Consulting GmbH, Herzogenrath, und die Globit GmbH, Darmstadt. Assoziierte Partner sind die ELKA Frischsaftherstellung GmbH, Dreieich, die Fresh Factory GmbH & Co. KG, Hamburg, und die Räucherei Kunkel, Klein Meckelsen. Durch seine langjährige Zusammenarbeit mit einem der beteiligten Unternehmen ist Prof. Dr.-Ing. Matthias Hemmje, FernUni-Lehrgebiet Multimedia und Internetanwendungen, mittelbar beteiligt. Er hatte bereits früher Forschungs- und Entwicklungsprojekte in diesem Themenfeld mit Erfolg durchgeführt und Dr. Pankratz auf die BMWi-Ausschreibung aufmerksam gemacht.

Pankratz hatte kurz zuvor eine Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit der Fa. WFS betreut. Dieses Unternehmen liefert hochwertige Lebensmittel. Thema der Arbeit war, dass WFS und Lieferanten für Obstsalate, Frischfisch oder Säfte z. T. dieselben Kunden beliefern. Der FernUni-Absolvent untersuchte daher, ob Kooperationen bei der Auslieferung möglich wären.

Diesen Ansatz übertrug Giselher Pankratz auf das neue Projekt und erweiterte ihn. „Können wir nicht ein Verbundprojekt machen?", fragte er sich.

Die beteiligten Unternehmen haben z. T. Überschneidungen in ihren Kundenstämmen. Produziert wird am Standort A, die Waren werden per Spedition nach B geliefert, wo Projektpartner eigene Fahrzeuge und Mitarbeitende einsetzen. So kann der „enge Kontakt zu den Kunden erhalten bleiben, Service ist für 5-Sterne-Hotels wichtiger als der Preis", hat Dr. Pankratz erfahren. Vorteilhaft für eine Zusammenarbeit ist, dass die Fahrzeuge nicht immer ausgelastet sind. Andere Unternehmen dagegen lassen ihre Waren vorwiegend durch Paketdienste liefern - das macht die einzelne Sendung teuer.

Welche Projektpartner können nun durch Nutzung der Lieferfahrzeuge anderer Partner ihre Kosten senken? Was sind die Voraussetzungen hierfür? Erste computergestützte Berechnungen, von Pankratz mit realistischen Datensätzen durchgeführt, sind sehr ermutigend. Demnach sind sowohl bei der Auslastung als auch bei den Transportkosten signifikante Verbesserungen möglich.

Besonders günstig wirkt sich dabei aus, dass es eine Konkurrenzsituation innerhalb der Kooperation praktisch nicht gibt. Die Kooperationspartner müssen ihre Karten voreinander nicht verdeckt halten, planungsrelevante Informationen werden ohne Bedenken zur Verfügung gestellt. Ihre Sortimente ergänzen sich sogar. Daher können die Beteiligten „alles mit einem Fahrzeug, von einem Spezialisten liefern lassen - alles aus einer Hand", so Pankratz: „Im Gegensatz dazu bieten Vollsortimenter, die zwar auch alles in einem Fahrzeug anliefern, oftmals nur ein Standardsortiment." Die Spezialisten können auch flexibel auf die Wünsche von Küchenchefs reagieren. Und die rufen oft sehr kurzfristig an. Pankratz: „Gemeinsam bilden die Kooperationspartner einen virtuellen Vollsortimenter auf Top-Niveau!"

Die beteiligten Unternehmen hoffen, durch die Zusammenarbeit ihre Marktanteile ausbauen zu können: Durch die gemeinsame Anlieferung werden sie für weitere Kunden interessant. Zudem können sie sich gegenseitig zu neuen Kunden verhelfen: „Die Kundenstämme überschneiden sich zwar, sind aber nicht deckungsgleich."

Dabei muss jedoch als Reaktion auf sich schnell ändernde Anforderungen der Einsatz eigener Fahrzeuge und fremder Kfz simultan geplant werden: „Das können gängige Softwarepakete für die Logistik heute noch nicht."

Die Perspektiven für eine solche Software sieht Pankratz sehr positiv: „Sie wird überall da einsetzbar sein, wo es ähnliche Abnehmerstrukturen gibt, also Top-Hotels, erstklassige Restaurants..." Das Modell lässt sich auch auf andere Branchen übertragen, „bei denen es um Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Flexibilität geht". Das gilt z. B. auch für Industriebedarf, Ersatzteilservice oder Kfz-Komponentenzulieferer.

Ausführliche Informationen zur BMWi-Förderinitiative „Intelligente Logistik im Güter- und Wirtschaftsverkehr - Innovationsoffensive für die Märkte von morgen": PDF Download